Die meisten Rügen - Besucher kennen nur ein Ziel : Die Ostseebäder. Die Antwort auf die Frage : “Wohin des Weges ?” lautet “Dahin wo etwas los ist !”. Auf dem Weg dorthin “wo etwas los ist”, über die Bundestraße 96 in Richtung Bergen, lassen viele Touristen dabei eine bemerkenswerte Region im wahrsten Sinne des Wortes “links liegen”. Die Rede ist vom Westen der Insel Rügen. Wenngleich eine Einteilung der Insel in Himmelsrichtungen nicht ganz einfach ist, so hat sich doch folgende Vorgehensweise bewährt. Die Halbinsel Wittow ist der nördliche Teil, Jasmund ist die östliche Region, Mönchgut ist der Süd westen, Putbus, Garz und Zudar bilden den Süden. Dann wäre da noch die “Inselhauptstadt” Bergen und Umland, hierbei spricht man vom “Muttland”. Und der Rest, alles was über die Bundesstraße 96 liegt, bishin zur Wittower Fähre, das ist der Westen Rügens, von dem hier berichtet werden soll. Sollten Sie, egal ob als Einheimischer oder Urlauber, auch die Insel Ummanz in den Westen Rügens mit eingliedern, so sollten Sie das nicht all zu laut äußern. Gerade die Bewohner der kleinen “Schwesterinsel” hören das nicht gern. Doch dazu später mehr.
Wir sprechen hier also von West - Rügen. Diese Region umfasst 10 Gemeinden, als da wären : Gingst, Kluis, Neuenkirchen, Schaprode, Trent, Ummanz, Altefähr, Dreschvitz, Rambin und Samtens. Zu den touristisch entdeckten Landstrichen gehört dieser Bereich sicherlich nicht. Im Gegensatz zu anderen Gegenden, trifft man hier eher selten auf den einen oder anderen Urlauber. Warum, ist eigentlich unverständlich, bietet diese Region doch eine perfekte Idylle. Fernab vom Rummel der Kreisstadt und der Seebäder findet man hier vor allem Ruhe und Entspannung. Und in der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft, vielleicht auch die Stärke. Auf jeden Fall ist die Ruhe die Stärke dieser Region. Wenn Sie auf der Suche nach Kreidefelsen oder Trubel sind, dann sind sie hier falsch, suchen Sie eben Ruhe und Entspannung, könnte man keine bessere Region empfehlen. Hoch Hilgor Hügelketten, unzählige Buchten und Wasserwindungen finden sie so zu sagen im Norden des Westens der Insel Rügen, in der Gemeinde Neuenkirchen. Auch eine kleine Sehenswürdigkeit kann man entdecken, Hoch Hilgor. Dieser Aussichtspunkt ist nur auf wenigen Karten eingetragen. Und doch verrät er sich: Schiffert man beispielsweise auf dem Breetzer Bodden, so ist die Turmspitze hinter Vieregge inmitten eines kleinen Waldes zu sehen. “Entdeckt” hat diesen Aussichtspunkt Johann Jacob Grümke, der am 6. September 1771 in Bergen geboren wurde. 1805 veröffentlichte er das Buch “Indigena – Streifzüge durch das Rügenland” (Indigena = Einheimischer). Hierin beschrieb er, was uns noch 195 Jahre danach zum Schwärmen bringt:
In Vieregge übergab ich mich und mein Reisebündel einem Wegweiser und wanderte auf Neuenkirchen zu, das sich hinter einer Kette von Hügeln verbirgt. Die Straße führte auf diese Höhen zu und ein Hohlweg durch die selben. Die höchste Hügelspitze, welche mein dienstbarer Geist Hoch - Hillworth (Hoch Hilgor) nannte, bestieg ich und ward von einer Aussicht überrascht, welche mit der vom Bakenberg um den Vorzug streitet. Die entlegene Ferne, die dort fast wie ein Luftbild zerfließt, wird hier dem Auge näher gebracht, und der veränderte Standpunkt zeigt Hiddensee, Wittow, Jasmund und Rügen mit seinen Buchten und Wasserwindungen in ganz neuen Gestalten. An Hoch - Hillworths Mittagseite und fast an seinem Fuße breitet sich in der Tiefe das Dorf Neuenkirchen aus, seitwärts gegen Nordost teilt eine Inwiek das Land und bildet eine Halbinsel, worauf der Landsitz Liddow mit seinem Wald sich in dem Wasser spiegelt und den einsam gegenüber liegenden Hof Lebbin begrüßt.”

Vor rund sieben Jahren wurde der Grümke - Turm fertiggestellt. Er präsentiert sich auf dem 43,8 Meter hohen Hoch Hilgor und bereichert diesen mit seiner Höhe von 15,5 Metern. Ein Blick, den man nicht mehr vergessen will und auch nicht mehr kann. Im Gegenteil, magnetisch zieht es einen an diesen Punkt zurück, egal ob Tourist oder Indigena (Einheimischer). Seit einigen Monaten bereichert auch eine neue Sehenswürdigkeit diese westliche Region. Im Rügen Park in Gingst können Sie die Insel an einem einzigen Tag erleben, ohne sich abzuhetzen, ohne etwas auslassen zu müssen. Im Miniaturenpark wurde die Insel Rügen komplett mit allen markanten Gebäuden auf einer Fläche von rund 70 mal 80 Metern nachgebaut. Eine ideale Möglichkeit, um sich beispielsweise auf eine Sight - Seeing - Tour vorzubereiten. Erst sehen Sie sich die Miniatur an, dann entscheiden Sie, was Sie im Original besuchen wollen. Weiterhin finden Sie im Freizeitpark auf 30.000 Quadratmetern eine Parkeisenbahn für etwa 50 Personen, ein SB - Restaurant, mehrere Kioske und einen großen Spielbereich mit über 15 Attraktionen für die Kids, unter anderem große Wasserrutschen. Daneben können Sie weitere 70 Miniaturgebäude im Maßstab 1 : 25 aus aller Welt bestaunen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Auch ein Besuch der Gingster Handwerksstuben sollte auf jeden Fall auf Ihrem Programm stehen. Das Kleinod in der Rügener Museumslandschaft hat sich mittlerweile über das Ausstellungsgeschehen hinaus zu einem Ort der Begegnung entwickelt. Ob Gingster Adventskirmis oder der Grüne Markt auf dem Museumshof nicht nur Einheimische wissen die Veranstaltungen zu schätzen. Natürlich können Sie auch die Werkstätten von Schumachern, Schneidern und Frisören in einer Dauerausstellung besichtigen. Gezeigt werden auch Spielzeuge und Kücheninventar.