Neue Sundquerung bis 2005 fertiggestellt

Der Traum von einer nahezu staufreien Überfahrt auf Deutschlands größte Insel ist ausgeträumt. Ausgeträumt, da die zweite Rügenanbindung in den letzten Monaten zunehmend an der nötigen Realität gewonnen hat und mittlerweile konkrete Projektvorschläge auf dem Tisch liegen, die der neuen Querung klare Konturen verleihen. Mehr als nur eine Brücke, soll die zweite Rügenanbindung werden, schaut man auf die Planungen der Deutschen Einheits Fernstraßen Planungs- und Bau GmbH (DEGES). Die Fertigstellung ist für das Jahr 2005 avisiert. "Das politische Ziel lautete Rügen zeitgleich mit der Fertigstellung der A20 angeschlossen zu haben. Ein ergeiziges Ziel, das aber zu schaffen ist. Wir werden noch in diesem Jahr mit dem Planfeststellungsverfahren beginnen", ließ Volker Kock (Bereichsleiter der DEGES im September 2000 verlauten. Der im letzten Jahr von der DEGES durchgeführte Variantenvergleich hat nach Aussagen der Verantwortlichen eindeutig gezeigt, das nur eine Brückenlösung in Frage kommen kann. Ausschlaggebend für die Entscheidung der DEGES war vor allem die Querung am Hindernis Ziegelgraben, aber auch finanzielle Aspekte spielten eine Rolle.

Ein Tunnel würde den submarinen Untergrund des Sundes verändern, was hinsichtlich des Tiefganges der durchfahrenden Schiffe vor allem von der Volkswerft zu Beeinträchtigungen führen könnte, erklärte Dr. Christian Lippold (DEGES). Desweiteren sprechen die um fast 40 Prozent geringeren Baukosten für eine Brücke ein klares Wort. Zwischen 79 und 89 Millionen Mark würde eine Brücke über den Graben kosten. Im Gegensatz dazu beliefen sich die Kosten für einen Tunnel bei etwa 200 Millionen. "Eine Brücke kann man nicht einfach unsichtbar machen, deshalb legen wir großen Wert auf die Architektur des Bauwerks", betonte Planer Dr. Christian Lippold schon vor einigen Monaten. Für die Planer galt es also zwei Probleme zu lösen. Zum einen soll sich das imposante Bauwerk harmonisch in die Silhouette des Stralsunder Hafens einordnen. Zum anderen ist eine Durchfahrtshöhe von 35 bis 40 Meter notwendig, damit der Schiffsverkehr ungehindert das Nadelöhr passieren kann. Unter Beachtung dieser Gesichtspunkte entschied sich die DEGES für ein seilverspannte Ein - Pylonenbrücke. Wie weiter zu erfahren war, verläuft die Brücke im Abstand von 80 Metern in Parallellage zum vorhandenen Rügendamm und führt auf den Dänholm. Die Pfeilerstellungen, außerhalb der Leitwerke für die Klappbrücke, ermöglichen das gefahrlose Passieren des Ziegelgrabens, die Freihaltung des Wartebereichs und die Zufahrt zur Volkswerft. "Die Brücke kann von allen auf der Ostsee fahrenden Schiffen unterlaufen werden", betonte Dr. Lippold. Sein markantes Aussehen erhält das Bauwerk durch den einen ca. 120 Meter hohen Pylon, der mit einem überdimensionalen Tor zu vergleichen ist. Bis zum Strelasund wird die Brücke dann auf eine lichte Höhe von acht Metern abgesenkt. Wobei die neue Querung im Abstand von 60 Metern parallel zum alten Rügendamm verläuft. Die DEGES ist sich bewußt, dass Flachwasserbereiche des Strelasunds und der angrenzenden Bodden aus umweltfachlicher Sicht einen ökologisch vernetzten großflächigen Lebensraum darstellen, mit großer Naturschutzfachlicher Bedeutung. "Durch mehrere Umweltverträglichkeitsstudien haben wir dieser Bedeutung Rechnung getragen. So erfolgte beispielsweise auch die Bündelung des neuen Dammes mit dem vorhandenen Rügendamm", so die DEGES.

Bereits im Jahr 1928, also in der Planungsphase des alten Dammes, existierten mehrere Varianten, auch ein Tunnel wurde in Betracht gezogen. Schon damals war eine Brücke das Ergebnis der Abwägung. So wie heute waren auch vor über 70 Jahren die Finanzen ausschlaggebend zur Entscheidungsfindung. Trotz immenser Sanierungsmaßnahmen in den letzten Jahren, beziffern Experten die Lebensdauer des alten Rügendamm bei gleichbleibendem Verkehrsaufkommen (über 18.000 Fahrzeuge im Durchschnitt) auf 15 bis 20 Jahre. Die neue Querung soll jedoch zu einer Entlastung führen, die eine 30 bis 40-jährige Lebensdauer garantiert. Vorstellbar, das es ab 2005 zu einer Tonnagebegrenzung für den alten Damm kommt. Entscheidend ist, dass der alte Rügendamm immer mautfrei bleiben wird. Daran sein nicht zu rütteln, so die DEGES. Die neue Trasse beginnt hinter der Mautstelle Altefähr und endet westlich von Bergen. Demzufolge wird auch die neue Bundesstraße mautfrei sein. Durch eine Auf- und Abfahrt haben auch die Nutzer des alten Rügendamm die Möglichkeit die neue Trasse zu befahren. Mit einer Gesamtlänge von knapp 21 Kilometern soll die Straße im Abstand von 40 Metern parallel zur vorhandenen B96 verlaufen. Der Ausbau der neuen Kraftfahrstraße erfolgt auch eine Fahrbahnbreite von 7,5 Metern (zwei Spuren in beide Richtungen). Laut DEGES wird mit Beginn der Entwurfsplanung eine Neuordnung der Kreuzungen und zu überführenden Wege erfolgen. "Wenn es soweit ist, werden natürlich die Gemeinden und Anlieger am Vorhaben beteiligt", betonte Volker Kock. Der Zeitplan der DEGES sieht vor, dass auch die die neue B96 bis 2005 übergeben sein soll.