Auf Besuch im Herzen der Insel

Bei einem Blick auf die Inselkarte ist es nicht zu übersehen, die Stadt Bergen ist der geographische Mittelpunkt der Insel. Und wie es schon ihr Name sagt, erreicht sie mit 91 Metern ihre höchste Erhebung. Dieser Teil ist Touristen und Einheimischen unter dem Namen "Rugard" ein Begriff. Hier stand einst die Wiege der Stadt: Eine slawische Burganlage, deren Wälle heute noch den Wanderer beeindrucken. Auf alten Ansichten, wie der von Albert Grell (um 1840), ist der Hang unbewaldet. So konnte Karl Friedrich Zelter im Jahr 1820 noch an den Geheimrat Goethe schreiben:

"Die Stadt Bergen ... liegt ungefähr fünfhundert Fuß über der See. Vor dem Rugard-Berge daneben, der noch hundert Fuß höher seyn kann, habe ich heute das unendliche Meer gesehen." Heute versperrt dem Wandersmann ein schöner Wald mit mächtigen Bäumen die Sicht. Um den Blick auf das "unendliche Meer" zu genießen, könnte der Besucher heute auf den Ernst-Moritz-Arndt-Turm steigen oder auf den Turm der St. Marien-Kirche, die 1193 geweiht wurde. Doch der Zahn der Zeit hinterließ an Bergens markantesten zwei Gebäuden so manche unschöne Spur, die intensiver Sanierungsarbeiten bedurfte. Werden die Arbeiten an der St. Marien Kirche, der ältesten der Insel, im nächsten Jahr beginnen, so fiel für die Sanierung des Ernst - Moritz - Arndt - Turm schon Mitte diesen Jahres der Startschuss. Dieses klinkerrote Wahrzeichen der Kreisstadt wurde 1877 vollendet und ist, wie es schon sein Name verrät, dem auf Rügen geborenen Dichter und Patrioten Arndt gewidmet. Doch die wenigsten wissen, dass dort, wo heute der Turm emporragt eine Halle zu Ehren Arndts geplant war. Man war aber der Meinung, dass ein Turm der Urwüchsigkeit des Geistes jenes Mannes eher gerecht werden könnte. Gut, dass die Entscheidungsträger vor über 125 Jahren zu diesem Entschluss kamen, denn was wäre Bergen ohne seinen Turm ? Aus aller Herren Länder gingen damals Geschenke ein, denn jeder wollte dazu beitragen, dass der Turm zu Ehren des Wächters der deutschen Ehre und Freiheit recht hoch werde. Aus Graz in der Steiermark ging ein Marmorblock mit der Inschrift "Treu und fest wie unsere Berge" ein. Auch aus dem fernen China entsandte ein Sohn Pommerns einen grünlichen Steinblock, die Inschrift "China" tragend. Beide Steine wurden über Türöffnungen im Untergeschoss eingemauert und sind heute noch sichtbar. Zum 125 Turm - Geburtstag soll das Bergener Wahrzeichen nach umfangreichen Sanierungsarbeiten dann wieder in altem Glanze erstrahlen. Das Inselherz verfügt über zwei Naherholungsgebiete, wie sie verschiedener nicht sein können. Den bereits erwähnten Rugard und den Nonnensee, an der Nordwest-Grenze der Kreisstadt gelegen. Wer den See umrunden möchte, kann dies mittels Pedaltritt oder auf Schusters Rappen tun. Für ausgedehnte Waldspaziergänge hingegen empfiehlt sich das Miniaturgebirge Rugard. Als vor einigen tausend Jahren die letzte Eiszeit der Erde ihr Ende fand, der Weltmeeresspiegel um 80 Meter Anstieg, entstand die Ostsee und mit ihr die Insel Rügen. Skandinavisches Geschiebematerial, das an einigen Gletscherrändern freitaute, bildete den Grundstein zur Entstehung dieses Miniaturgebirges. Es ist nach der Stubnitz und der Granitz mit 91 Metern der dritthöchste Punkt der Insel. Der "Rugard", im Herzen der Kreisstadt gelegen, ist mehr als nur die grüne Lunge Bergens. Sobald die Sonne im Frühjahr ihre ersten Strahlen gen Erde sendet, zieht es die Bergener und ihre Gäste in das Naherholungsgebiet. Unvorstellbar, aber erst vor gut 100 Jahren wurde der heutige Wald angepflanzt, den Vorzug erhielten dabei heimatfremde Arten, wie Fichte, Lärche, Zerreiche, Grauerle und Weymouthskiefer. Der große Artenreichtum, der nur der Hand des Forstmannes zu verdanken ist, das unterschiedliche Alter und die sparsame Durchforstung machen dieses Naturschutzgebiet zu einer ornithologischen Oase.

Hauptsächliche Aufgabe des Naturlehrpfades ist es diese vielfältigen Naturschönheiten für die Besucher sichtbar und begreifbar zu machen. Neben erholsamen Wanderungen bietet der Rugard noch eine Menge anderer Betätigungsmöglichkeiten. So zum Beispiel fünf Tennisplätze, die auf einer terrassenartigen Anlage im Rugard eingebettet sind und zu den schönsten im gesamten Bundesland zählt. Bleibt nur zu sagen, dass es zwar touristisch überlaufenere Orte auf unserem Eiland geben mag, aber jeden Inselbesucher zieht es einmal in die Stadt auf dem Berg. Und wer dann durch die Gassen der Altstadt streift oder durch den Rugard wandert, wird vom historischen Flair des Inselherzens eingeholt.